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Gardasee - Mehr als ein Meer

„Heute abend hätte ich können in Verona sein, aber es lag mir noch eine herrliche Naturwirkung an der Seite, ein köstliches Schauspiel, der Gardasee, den wollte ich nicht versäumen, und ich bin herrlich für meinen Umweg belohnt“, notierte Goethe stellvertretend für alle anderen Literaten und Romantiker, die nach beschwerlicher Reise durch das Gebirge einen ersten Blick in den Süden warfen. Denn damals wie heute deutet das berühmte leuchtende Blau des Sees zunächst zwischen steilen Felswänden, dann sich bis zum Horizont weitend, die Einzigartigkeit des Gardasees an. Die landschaftlichen und klimatischen Vorzüge des Sees ziehen heute die Reisenden an, doch was sie dort auf dem Wasser treiben, darauf wäre in den 4000 Jahren vor ihnen keiner gekommen. Im See baden und aus Vergnügen Boot fahren, daran dachten weder die bronzezeitlichen Bewohner der Pfahldörfer noch die ersten Touristen der Antike, denn die Römer ließen sich nur eine heiße Quelle bei Sirmione ins Caldarium pumpen. Für die oberitalienischen Stadtstaaten des Mittelalters war der See einer der Wege in den handelsträchtigen Norden, für die Herren im Gebirge ein Fuß in die Türe zu den Reichtümern des Südens. Verona, Trient, Brescia, Mantua und zuletzt Venedig und Mailand schlugen sich jahrhundertelang um seinen Besitz. Die Orte am Gardasee und die Städte in der näheren Umgebung präsentieren sich dem Bildungsreisenden als eine bedeutende Kulturlandschaft, deren Denkmäler bis in die Bronzezeit zurückreichen.

Vorschläge Programmbausteine

Verona

Das alte Zentrum schmiegt sich in einen tiefen Bogen der Etsch. Mit den malerischen Mittelalter-Gässchen, prächtigen Kirchen und historischen Palazzi ist es zum Spazierengehen wie geschaffen, weite Teile der Innenstadt wurden zu Fußgängerzonen umgewandelt. Zentraler Platz und immer belebter Treffpunkt ist die Piazza Bra mit ihrer altrömischen Arena – größte Attraktion der Stadt sind die hier allsommerlich stattfindenden Opernaufführungen. Weiterer Konzentrationspunkt ist die altertümliche Piazza dell’Erbe mit ihrem sehenswerten Markt und den malerisch vergammelten Palazzi. Gleich nebenan die Piazza dei Signori, das mittelalterliche Verwaltungszentrum, mit der prunkvollen Szenerie alter städtischer Repräsentationsbauten. Nur ein paar Schritte sind es von hier zur Etsch, die mit ihrem breiten Bett das historische Zentrum von drei Seiten begrenzt. Auch den Hügel von San Pietro auf der anderen Seite sollte man unbedingt mal erklimmen.

Venedig

Venedig ist ein einziges großes Freilichtmuseum. Ziellos durch die Gässchen zu laufen, ist die schönste Art, die Stadt kennen zu lernen. Langweilig wird das nie, denn immer wieder trifft man auf neue unbekannte Plätze, läuft an stillen, romantischen Kanälen entlang und entdeckt irgendwo einen prächtigen alten Palazzo. Die typische venezianische Stimmung rührt zum Großteil von der Verschiedenheit ihrer Bewohner her. Künstler, Schriftsteller und Snobs aus aller Welt haben hier ihre Wahlheimat gefunden – so schmettern aus dem einen Palazzo Opernarien auf den Campo, aus dem anderen dröhnt Peter Tosh’s Reggae, wieder aus einem anderen Nina Hagen. Der Canale Grande, die längste und schönste Wasserstraße Venedigs, zieht sich in Form eines großen „S“ quer durch die Stadt, dicht bebaut mit den vornehmen Palazzi der reichen Kaufmanns- und Adelsfamilien. Das repräsentative Zentrum der Stadt ist der Markusplatz, einst das Eingangstor Venedigs.

Gardaseefahrt

Dem Verlauf der Uferstraße am Gardasee folgend, führt die Reiseroute über Lazise, Bardolino, Garda, Torri del Benaco, Brenzone und Malcesine nach Riva del Garda. Das bereits im vorigen Jahrhundert vielgerühmte und weitgehend erhaltene Stadtbild des alten Riva mit seinen historischen Plätzen und Straßen um den Hafen und die Seefestung ist Ausdruck einer wechselvollen Geschichte, die allein einem Umstand zu verdanken ist. Der Ort war über drei Wege erreichbar: Durch das Sarcatal von Tirol und Trient, über den See von Verona und Venedig, durch das Ledrotal aus dem Mailändischen – also von Mächten, die das ganze Mittelalter hindurch verfeindet waren. Auf keinen Fall versäumen darf man den Abstecher zum berühmten Varone-Wasserfall, der mit keinem anderen Naturphänomen zu vergleichen ist, das sonst diesen Namen führt.

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