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Weimar - Eine Kulturstadt erleben

Wenn es Weimar nicht gäbe, müsste es erfunden werden. Eine „kleine wunderliche Welt“, die ihre Besucher mit offenen Armen empfängt und sogleich durch verwinkelte Gassen zu den schönen Plätzen und Baulichkeiten führt, an denen einst die Schöngeister und die Weltgeister zu Hause waren: Dichter, Maler, Musiker und Baumeister – Goethe und Schiller, Bach und Liszt, Cranach und Gropius. Aber ließe sich so etwas ausdenken: Ein kleines Dorf, malerisch an der Ilm gelegen, das durch die Jahrhunderte schläft, bis eine Erfolgsstory ohnegleichen beginnt? An einem frühen Morgen des Jahres 1775 rollt eine Kutsche in die bescheidene Residenz der Herzöge von Sachsen-Weimar und der junge Dichter Johann Wolfgang Goethe sitzt darin. Wieland ist schon vor ihm da, Herder folgt nach, und 1799 kommt Schiller von Jena herüber. Das „literarische Quartett“ ist komplett, das dichtend und denkend eine Epoche des Geistes bestimmen soll, die „Weimarer Klassik“. Diesem „Goldenen Zeitalter“ fügt die Musikerpersönlichkeit Franz Liszt fünfzig Jahre später das „Silberne“ an, und noch einmal fünfzig Jahre später halten der Architekt Henry van de Velde und 1919 die Bauhäusler mit Walter Gropius und Lyonel Feininger Einzug. 1919 tagt die Nationalversammlung in Weimar. Die „Weimarer Republik“ ist ein erster, leider kurzfristiger Versuch einer bürgerlichen Demokratie in Deutschland. Danach beginnt ein dunkles Kapitel der Geschichte für Weimar, das im nahen Konzentrationslager Buchenwald seinen Höhepunkt erreicht. Erst das Jahr 1989 bringt die „Wende“ nach langer Irrfahrt, und zehn Jahre später wird die Klassikerstadt zur Kulturstadt Europas 1999.

Vorschläge Programmbausteine

Interessantes in Hülle und Fülle

Weimar ist eine Stadt für Fußgänger. Auf kleinem Raum drängen sich fast alle Sehenswürdigkeiten. Selbst öffentliche Verkehrsmittel benötigen Sie nicht, auch Stadtführungen erfolgen zu Fuß. Weimar hat nicht nur die Wohnhäuser von Goethe und Schiller zu bieten – es gibt unendlich viel zu entdecken. Obwohl alles dicht beieinander liegt, benötigen Sie dennoch Zeit. Denn wer die Stadt kennen lernen möchte, darf nicht nur die Fassaden betrachten. Oft lohnen sich Blicke in versteckte Winkel, beispielsweise in die Luthergasse, wo das Weihnachtslied „O du fröhliche. . .“ entstanden ist, oder in Herders Hausgarten. Zeit beanspruchen auch der interessante Bummel über den Historischen Friedhof und ein Spaziergang durch den Park am Ilm, der enorm viel Sehenswertes bietet und bei schönem Wetter dazu verleitet, eine kleine Ruhepause einzulegen. Auch wenn Sie auf Museumsbesuche verzichten, schaffen Sie kaum alle Sehenswürdigkeiten an einem Tag – selbst wenn Sie mittags auf dem Marktplatz nur zu einer der berühmten Rostbratwürste vom Holzkohlegrill greifen. Etwas vom Zentrum entfernt befinden sich die Gedenkstätte Buchenwald sowie die Schlösser und Parks von Tiefurt, Belvedere und Ettersburg, die Sie aber rasch mit den städtischen Buslinien erreichen.

Schätze von gestern und heute

Wer meint, in Weimar nur den Dichterfürsten Goethe und Schiller zu begegnen, der irrt. Weimar ist nicht nur Klassikerstadt, Weimar ist Kunststadt. Das Spektrum der Sammlungsstücke reicht von goldenem Schmuck aus dem Grab einer ostgotischen Prinzessin im Museum für Ur- und Frühgeschichte über Bilder von Lucas Cranach d. Ä. im Schlossmuseum bis zu Gemälden des Wegbereiters der italienischen Avantgarde Piero Manzoni im erst 1999 eröffneten Neuen Museum. Einen modern gestalteten Streifzug durch die Vergangenheit ermöglicht das Weimar Haus, das erste multimediale Erlebnismuseum in Deutschland. Das Goethe Nationalmuseum, das Schiller-Wohnhaus und weitere 23 Literatur- und Kunstmuseen, Schlösser und Erinnerungsstätten gehören zur Stiftung Weimarer Klassik und Kunstsammlungen, die 2003 aus der Stiftung Weimarer Klassik und den Kunstsammlungen zu Weimar hervorging.

Den Klassikern auf der Spur

Schwärmerisch schrieb Goethe aus Ilmenau: „Die Gegend ist herrlich, herrlich!“ Und die meisten Besucher unserer Tage, die von Weimar aus in die Umgebung fahren, stimmen dem Dichterfürsten vorbehaltlos zu. Städte mit reicher Geschichte wechseln sich ab mit verträumten Dörfern. Dazwischen finden sich immer wieder Wälder mit dem Duft von Pilzen und frisch geschlagenem Holz sowie weite Ausblicke von den Höhenzügen. Viele Orte in der Umgebung von Weimar stehen in enger Beziehung zu Goethe und Schiller. Der reisefreudige Goethe hat in seinem Leben fast 38 000 Kilometer zurückgelegt, haben kluge Leute ausgerechnet. Zu Fuß, zu Pferd und in der Kutsche durchstreifte er allein in Thüringen etwa 150 Orte.

Gedenkstätte Buchenwald

Die weiträumige Anlage auf dem Ettersberg, etwa 8 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, erinnert an mehr als 250 000 Menschen, die von 1937 bis 1945 im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert waren; über 50 000 von ihnen kamen ums Leben. Die Nationalsozialisten hatten das KZ ab 1937 errichtet, die Häftlinge wurden seit 1943 in Buchenwald und in seinen insgesamt 136 Außenkommandos rücksichtslos in der Rüstungsindustrie ausgebeutet. Von August 1945 bis 1950 nutzte die sowjetische Besatzungsmacht das Gelände als Internierungslager, in dem schuldige und vermeintlich schuldige Nationalsozialisten, aber auch willkürlich verhaftete Personen, unter ihnen Frauen und Jugendliche, inhaftiert waren. Von den etwa 28 000 Häftlingen starben über 7000 vor allem an Krankheiten und Unterernährung. Sie wurden in Massengräbern verscharrt. Gegenüber diesem Gräberfeld entstand 1997 ein eigenes Ausstellungsgebäude, in dem die Geschichte des Lagers dokumentiert ist. Ab 1954 wurde die „Nationale Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald“ geschaffen, die heute schlicht den Namen „Gedenkstätte Buchenwald“ trägt.

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